Biesenthal ist eine nordöstlich von Berlin gelegene Stadt mit etwa 5.200 Einwohnern. Kurz vor dem Ortseingang, wenn man aus Richtung Autobahn kommt, hat das Unternehmen Hydrotec Meißner GmbH seinen Sitz. In dem unscheinbaren Flachbau werden seit 1994 vielfältige Projekte für die dezentrale Abwasserentsorgung entwickelt. Der Geschäftsführer, Herr Michael Meißner, war bereits im November 1989, also unmittelbar nach der Maueröffnung, in die Selbstständigkeit gestartet. Damit war er einer der ersten. Das damalige Interesse galt der Wasserversorgung und Abwasserbehandlung in seinem Heimatort Biesenthal. Beide Aufgaben wollte er von nun an betreuen. Dieser Wunsch kam nicht von irgendwo her, denn vor dem politischen Umschwung in der ehemaligen DDR hatte sich Herr Meißner als Betriebsingenieur unter anderem mit der Verbesserung von Belebtschlamm-Verfahren befasst. Im Rahmen dieser Tätigkeit hatte er unter anderem Schaumstoffträger für die Abwasseraufbereitung, welche von der TU Dresden entwickelt wurden, getestet und kontinuierlich verbessert. Mit diesem Wissen startete er seine unternehmerische Tätigkeit. Sie begann zunächst mit der Betriebsführung der vorhandenen städtischen Kläranlagen. Im Rahmen dieser Arbeit ergab sich der erste Kontakt zur Firma ENVICON, Dinslaken. ENVICON produzierte bereits seit 1988 vorgefertigte, kleine Kläranlagen, welche mit Biofilmverfahren arbeiten.
Herr Meißner übernahm 1990 den Einbau dieser Systeme im ostdeutschen Raum. Zu diesem Zweck wurde ein gemeinsames Unternehmen, die Envicon-Service, gegründet. Da ihn die Erbringung von Teilleistungen nicht zufrieden stellte, gründete Herr Meißner mit einem Partner, im Dezember 1992 ein weiteres Unternehmen, die Hydrotec Meißner GmbH, um Kläranlagen komplett anbieten zu können. Dass diese Entscheidung richtig war, zeigte sich kurz darauf. Die Marktentwicklung und Strukturfragen führten dazu, dass die gemeinsame Unternehmung Envicon-Service liquidiert werden musste. Als Folge dieser Entwicklung übernahm die Hydrotec Meißner GmbH die Errichtung, Montage, Wartung und Reparaturleistungen von ca. 40 kleinen Kläranlagen in ganz Ostdeutschland. Von dieser Substanz lebte das Unternehmen bis Mitte der 90er Jahre gut.
Da Herr Meißner bereits viele kleine Kläranlagen realisiert hatte und somit über einen profunden Erfahrungsschatz verfügt, konzentrierte er sich ab diesem Zeitpunkt, neben dem rückläufigen Neubau , auf die Ertüchtigung bestehender Anlagen. Der erste große Schritt in diese Richtung war der Gewinn des Wettbewerbs zur Ertüchtigung der Biesenthaler Kläranlage. Bereits zu diesem Zeitpunkt war absehbar, dass die Erschließung der Kommune etliche Jahre dauern würde und dass statische Lösungen die Klärung der anfallenden Abwässer nicht effektiv bewältigen können. Stattdessen wurden Technologien gesucht, die sich mit wachsenden Anlagen unkompliziert an die momentane Bedarfssituation anpassen lassen. Für die Lösung dieser Problematik entwickelte die Hydrotec Meißner GmbH eine Konzeption, die den stufenweisen Ausbau der Biesenthaler Kläranlage vorsah. Schließlich war es nicht absehbar, wie sich die Zahl der tatsächlich angeschlossenen Einwohnerwerte (EW) in den kommenden Jahren entwickeln würde. Im ersten Schritt wurden drei biologische Containermodule (vorgefertigte Kleine Kläranlagen (VCK)) installiert, welche die primär anfallenden Reinigungsaufgaben übernahmen. Seitdem schätzt Herr Meißner Biofilmverfahren, denn sie sind wesentlich prozessstabiler und leistungsfähiger als Belebtschlammverfahren.
In den darauf folgenden Ausbaustufen musste die Kapazität der vorhandenen biologischen Stufen erhöht werden. Allerdings konnte dafür keine zusätzliche Fläche erschlossen, sondern es mussten die vorhandenen Becken genutzt werden. Schnell war klar, dass diese Herausforderung nur von einem Biofilmverfahren bewältigt werden kann. Das bisher genutzte Verfahren hatte allerdings seine Begrenzung in der verfügbaren spezifischen Biofilmoberfläche. Daher suchte Herr Meißner in diesem Bereich nach größeren spezifischen Oberflächen. Nun half ihm der seit Jahren bestehende Kontakt zu Prof. Dr. Helmut Bulle, der ihn mit Dr. Wolfgang Triller, dem Leiter der Entwicklungsabteilung bei der Bergmann Gruppe, und dem von ihm entwickelten Wirbel-Schwebebett-Biofilm-Verfahren (WSB®) bekannt machte. Nachdem er erkannt hatte, dass diese Technologie mit 1 m³ Aufwuchsträgern eine praktische Oberfläche von ? 350 m³ bietet, war klar, dass damit die Lösung seiner Herausforderung gefunden war.
In den nächsten Ausbaustufen ab Frühjahr 2004 wurde in einzelnen Reaktoren (ein Denitrifikations-Reaktor und ein Nitrifikations-Reaktor) das WSB®-Verfahren zur Anwendung gebracht. Aufgrund verschiedener Einflüsse wurde die Idee der "mitwachsenden Kläranlage" dadurch torpediert, dass die erforderlichen Intensivierungsmaßnahmen nicht rechtzeitig beauftragt wurden. Trotzdem wurde die Erschließung voran getrieben, so dass es zu einer zunehmenden Überlastung der Kläranlage kam. Einer der Gründe war, dass das Konzept insgesamt, aus eigenen wirtschaftlichen Interessen, in Frage gestellt wurde. Es gab viele Diskussionen, da für das bisher angewendete, und auch für das zukünftig anzuwendende, Biofilmverfahren noch keine ATV-Arbeitsblätter existieren. Deshalb waren die verfahrenstechnischen Bemessungen für die Wasserbehörde nicht nachvollziehbar. Also wurde ein Gutachten angestrengt, um das Konzept und dessen Umsetzung zu prüfen. Im Ergebnis dieses Gutachtens wurde die Konzeption bestätigt. Auch ohne dieses Gutachten schätzte Herr Meißner die WSB® clean Technologie von Beginn an als ein leistungsfähiges, sehr modernes Verfahren ein. Aufgrund des Neuigkeitswertes zweifeln viele Entscheider daran.
Bedauerlicherweise kann in diesem Moment das eigentlich Technologie führende Abwasseraufbereitungsverfahren an veralteten Vorstellungen wie auch dem mangelnden Wissen über seine Vorzüge und Stärken scheitern. An diesem Punkt sind alle Personen gefragt, die bereits mit dieser Technologie arbeiten und ihre Vorzüge im praktischen Einsatz kennen gelernt haben. Er bedauert, dass noch immer viele veraltete Systeme verkauft werden, die den aktuellen Erfordernissen an die Reinigungsleistung, die Betriebssicherheit und die langfristige Kostenstabilität nicht gerecht werden. Doch über den Preis lässt sich im ersten Moment nach wie vor vieles regeln. Allerdings zeigt seine Erfahrung, dass bei billigen Anschaffungspreisen im Nachhinein immer draufgezahlt wird. Und zwar bei den Unterhaltskosten, bei den gehäuft auftretenden Havarien sowie bei den behördlichen Auflagen, die daraus resultieren, dass derartige Anlagen nicht die vorgeschriebenen Ablaufwerte erreichen.
Da die Auslegung jeder Anlage zurzeit individuell berechnet werden muss, erhöht sich der Verwaltungsaufwand für die Behörden. Ein Wunsch von Herrn Meißner ist, dass dieses Manko bald überwunden wird, denn er schätzt WSB® clean fast immer als die zweckmäßigste Abwasseraufbereitungslösung ein. Seine Einschätzung resultiert auch aus einem weiteren Vorzug der WSB® clean Technologie - ihrer Flexibilität. Durch Belüftung oder durch Umwälzung kann sie verschiedene Reinigungsleistungen erbringen. In der Denitrifikationsstufe arbeitet WSB® clean dann ohne Belüftung.
Neben dem Neubau und der Ertüchtigung von kleinen Kläranlagen, sowie den Wartungs- und Reparaturleistungen übernahm die Hydrotec Meißner GmbH auch die Betriebsführung einer Kläranlage für den hiesigen Zweckverband. Diese nichtalltägliche Kombination von Anlagenbau und der praktischen Anwendung der Biofilmtechnologie bringt einen Erkenntnisgewinn, von dem nicht zuletzt die Anwender profitieren. Daher bezeichnet sich Herr Meißner gern als praktizierender Ingenieur. Trotz der akkuraten Arbeit geriet das Unternehmen im Herbst 2004 in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Sie ergaben sich aus der Insolvenz einiger Auftraggeber, den darauf folgenden Zahlungsausfällen sowie der Kündigung von Wartungsverträgen. Als Geschäftsführer sah sich Herr Meißner gezwungen, Kapazitäten abzubauen und sich insgesamt zu beschränken. Ein Lichtblick in dieser Situation war der kurz darauf zustande kommende Kooperationsvertrag mit der Bergmann Umwelttechnik. Die Zusammenarbeit mit dem, in der Bergmann Gruppe für Entwicklung verantwortlichen Unternehmen wurde über Dr. Wolfgang Triller initiiert. Ein Bestandteil dieses Vertragswerkes ist, dass die Hydrotec Meißner GmbH als Kooperationspartner des WSB®-Verfahrens fungiert.
Die Ergebnisse der bisherigen Zusammenarbeit sind nicht nur in Deutschland zu finden. Ihr Fokus liegt primär auf internationalen Märkten und da speziell in Regionen mit Wassermangel. Hier zählt die Abwasseraufbereitung zu den dringlichsten Zukunftsaufgaben. So wundert es nicht, dass erste gemeinsame Vorhaben im ebenso öl- wie wüstenreichen Saudi-Arabien in Planung sind. Für den Export von vorgefertigten kompletten Systemen (PEPS - prefabricated environmental package systems) bietet sich auch ein weiteres Geschäftsfeld der Hydrotec Meißner GmbH an: Durch die Kooperation mit einem Fertiger in der Tschechischen Republik können diese Systeme in Kunststoffbecken aus PP ("Container-Kläranlage") angeboten werden. Diese Container-Anlagen können schnell realisiert und für einen festgelegten Zeitrahmen aufgebaut werden. Darüber hinaus möchte Herr Meißner die Reinigungssysteme in Entwicklungsländern so auslegen, dass bestimmte Nährstoffe bewusst im Abwasser belassen werden, um es nach dem Reinigungsprozess zur Bewässerung von Kulturpflanzen zu nutzen.
Gerade wasserarme Regionen würden davon profitieren, wenn ihre Abwasseraufbereitungslösung auch zur Rohstoff-Rückgewinnung beiträgt. Denn wo Wasser knapp ist, gilt dies auch für Rohstoffe. Klärschlamm wäre ein idealer Dünger. Gemeinsam wurden bereits Lösungen für die hier anzutreffenden enormen Temperaturschwankungen entwickelt. Herr Meißner glaubt, dass die vorgefertigten Systeme ein Exportschlager werden könnten. Dann steht Deutschland nicht mehr nur für Maschinenbau, sondern auch für Umwelttechnologien. Zu dieser Erfolgsgeschichte könnte ein weiterer Vorzug der WSB® clean Technologie einen wesentlichen Beitrag liefern: Mit ihren kompakten Behältergrößen ist sie einfach installierbar und in Betrieb zu nehmen.
Auch für das Projekt, welches er schon über ein Jahrzehnt begleitet, die mitwachsende Kläranlage Biesenthal, hat Herr Meißner noch einige Visionen. So plant er die Ertüchtigung der gesamten Anlage mit dem Wirbel-Schwebebett-Biofilm-Verfahren. Dann sollen die Abwässer von 3.800 EW allein durch WSB® clean aufbereitet werden. Die Kapazität der Anlage könnte dann unproblematisch auf bis zu 6.500 EW steigen. Dafür hat sein Unternehmen ein eigenes System vorgefertigter Behandlungsmodule konzipiert, was aber nur funktioniert, weil WSB® clean die benötigte Beckengröße - im Vergleich zu konventionellen Systemen - halbiert. Somit stehen der Biesenthaler Kläranlage noch einige Premieren bevor. Auch in Zukunft werden hier wegweisende Abwasseraufbereitungstechnologien erstmalig zum Einsatz kommen.Die Fakten zu diesem Erfahrungsbericht wurden im persönlichen Interview am 13.10.2006 in Biesenthal zusammengetragen.